Der Arbeitstag ist beendet, der Laptop ist geschlossen – aber im Kopf läuft das nächste Meeting bereits weiter. Du gehst ein Gespräch noch einmal durch, überlegst, ob du etwas vergessen hast, oder denkst an die Aufgaben, die morgen auf dich warten. Eigentlich möchtest du deinen Feierabend genießen. Doch innerlich bist du noch immer bei der Arbeit.
Vielleicht kennst du auch diesen Zustand: Du sitzt auf dem Sofa, verbringst Zeit mit deiner Familie oder triffst Freunde, bist gedanklich aber nur halb anwesend. Selbst im Bett dreht sich dein Gedankenkarussell weiter. Der Körper ist zu Hause angekommen, der Kopf jedoch noch nicht.
Damit bist du nicht allein. Vielen Menschen fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten. Das bedeutet nicht, dass du dich einfach mehr anstrengen oder „besser entspannen“ musst. Meist gibt es nachvollziehbare Gründe dafür, dass dein Nervensystem und deine Gedanken noch im Arbeitsmodus bleiben.
In diesem Artikel schauen wir uns an, warum du nach Feierabend möglicherweise nicht loslassen kannst und welche konkreten Schritte dir dabei helfen können, eine gesunde Grenze zwischen Arbeit und Freizeit aufzubauen.
Was bedeutet es eigentlich, nach der Arbeit abzuschalten?
Abschalten bedeutet nicht, dass du ab 17 Uhr keinen einzigen Gedanken mehr an deine Arbeit haben darfst. Das wäre ein ziemlich unrealistischer Anspruch – und würde wahrscheinlich nur zusätzlichen Druck erzeugen.
Gemeint ist vielmehr die Fähigkeit, dich innerlich und äußerlich von deiner Arbeit zu lösen. In der Arbeitspsychologie wird dafür häufig der Begriff psychologische Distanzierung verwendet.
Du bist psychologisch von der Arbeit distanziert, wenn du in deiner Freizeit nicht dauerhaft an beruflichen Problemen arbeitest, keine Gespräche endlos analysierst und nicht das Gefühl hast, ständig reagieren zu müssen.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin weist darauf hin, dass unter anderem ständige Erreichbarkeit, unerledigte Aufgaben und ungelöste Konflikte die mentale Erholung erschweren können.
Das Ziel lautet also nicht:
„Ich darf überhaupt nicht mehr an die Arbeit denken.“
Ein hilfreicheres Ziel wäre:
„Ich darf einen Arbeitsgedanken wahrnehmen, ohne meinen gesamten Feierabend mit ihm zu verbringen.“
Woran merkst du, dass du nicht richtig abschalten kannst?
Die Schwierigkeit zeigt sich nicht bei allen Menschen gleich. Manche grübeln, andere kontrollieren ständig ihre E-Mails oder fühlen sich auch ohne einen konkreten Gedanken dauerhaft angespannt.
| Typisches Zeichen | Mögliche Erfahrung | Erster hilfreicher Schritt |
|---|---|---|
| Gedanken kreisen um die Arbeit | Du spielst Gespräche oder Probleme immer wieder durch. | Gedanken aufschreiben und für den nächsten Arbeitstag festhalten. |
| Ständige Erreichbarkeit | Du kontrollierst E-Mails oder Nachrichten, obwohl niemand es verlangt. | Benachrichtigungen deaktivieren und feste Erreichbarkeitszeiten klären. |
| Innere Unruhe | Du bist erschöpft, kannst dich aber trotzdem nicht entspannen. | Einen bewussten körperlichen Übergang in den Feierabend schaffen. |
| Schlechtes Gewissen | Du hast das Gefühl, noch etwas erledigen oder produktiv sein zu müssen. | Den Arbeitstag mit einer realistischen Abschlusskontrolle beenden. |
| Probleme beim Einschlafen | Im Bett fallen dir plötzlich offene Aufgaben und mögliche Fehler ein. | Vor dem Schlafengehen keine beruflichen Nachrichten mehr öffnen. |
| Emotionale Gereiztheit | Du reagierst zu Hause empfindlicher oder ziehst dich zurück. | Eine kurze Übergangszeit einplanen, bevor du dich neuen Anforderungen widmest. |
Warum kann ich nach der Arbeit nicht abschalten?
Wenn du deinen Kopf nicht einfach „ausschalten“ kannst, liegt das selten an fehlender Disziplin. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen.
1. Dein Arbeitstag hat keinen klaren Abschluss
Viele Arbeitstage enden nicht, weil alles erledigt ist. Sie enden, weil eine bestimmte Uhrzeit erreicht wurde.
Offene Aufgaben, unbeantwortete Nachrichten und ungeklärte Entscheidungen bleiben zurück. Dein Gehirn versucht dann, diese offenen Punkte weiter zu überwachen. Es möchte sicherstellen, dass nichts Wichtiges verloren geht.
Fehlt ein bewusstes Abschlussritual, entsteht schnell das Gefühl, die Arbeit sei lediglich unterbrochen worden. Innerlich bleibst du deshalb in Bereitschaft.
2. Du bist auch nach Feierabend erreichbar
Ein kurzer Blick auf das Diensthandy erscheint zunächst harmlos. Doch eine einzige Nachricht kann ausreichen, um dich gedanklich wieder vollständig in den Arbeitsmodus zu versetzen.
Besonders schwierig wird es, wenn es keine klaren Regeln gibt:
- Muss ich nach Feierabend antworten?
- Was gilt als dringend?
- Wann darf ich eine Nachricht bis morgen liegen lassen?
- Was erwarten meine Führungskraft und mein Team wirklich?
Manchmal besteht der größte Druck nicht durch eine ausdrücklich formulierte Erwartung, sondern durch die eigene Vermutung, immer verfügbar sein zu müssen.
3. Du trägst viel Verantwortung
Je wichtiger dir deine Arbeit ist, desto schwerer kann es sein, sie loszulassen. Vielleicht möchtest du niemanden enttäuschen, Fehler vermeiden oder zeigen, dass man sich auf dich verlassen kann.
Verantwortungsbewusstsein ist grundsätzlich eine Stärke. Problematisch wird es, wenn du dich für Dinge verantwortlich fühlst, die du nicht vollständig kontrollieren kannst.
4. Perfektionismus hält dich im Arbeitsmodus
Wenn dein innerer Maßstab sehr hoch ist, fühlt sich eine erledigte Aufgabe möglicherweise noch lange nicht wirklich erledigt an. Du findest fast immer etwas, das du optimieren, überprüfen oder vorbereiten könntest.
Dann lautet die innere Frage nicht mehr: „Ist es für heute ausreichend?“ Stattdessen fragst du dich: „Könnte ich es noch besser machen?“
Genau diese Frage kennt keinen natürlichen Feierabend.
5. Arbeit und Privatleben vermischen sich
Im Homeoffice kann der räumliche Übergang vollständig fehlen. Am gleichen Tisch, an dem du morgens arbeitest, isst du abends oder beschäftigst dich mit privaten Dingen.
Der Laptop bleibt sichtbar. Das Smartphone enthält private und berufliche Anwendungen. Vielleicht gehst du nach der letzten Videokonferenz direkt zur nächsten privaten Aufgabe über.
Dein Kopf bekommt dadurch kaum ein deutliches Signal: Die Arbeit ist jetzt beendet.
6. Ein Konflikt beschäftigt dich weiter
Ein unangenehmes Gespräch mit einer Führungskraft, eine unklare Bemerkung oder eine angespannte Zusammenarbeit lässt sich nicht immer an der Bürotür abgeben.
Das Gehirn versucht häufig, soziale Situationen im Nachhinein zu verstehen:
- Was hat die andere Person damit gemeint?
- Hätte ich anders reagieren sollen?
- Was passiert beim nächsten Gespräch?
- Habe ich etwas falsch gemacht?
Das Problem: Dieses gedankliche Wiederholen vermittelt zwar kurzfristig das Gefühl, an einer Lösung zu arbeiten. In vielen Fällen entstehen dadurch jedoch keine neuen Informationen.
7. Du erwartest, sofort entspannt sein zu müssen
Nach acht Stunden Zeitdruck, Entscheidungen und Konzentration verlangt dein Körper möglicherweise eine Übergangsphase. Trotzdem erwarten viele Menschen von sich, direkt nach dem Schließen des Laptops ruhig, gut gelaunt und vollständig präsent zu sein.
Wenn das nicht gelingt, entsteht zusätzlicher Druck: „Warum kann ich mich nicht einfach entspannen?“
Doch Erholung ist kein Knopf. Sie ist ein Prozess.
Warum ist Abschalten nach der Arbeit so wichtig?
Freizeit erfüllt eine andere Aufgabe als Arbeitszeit. Sie gibt dir die Möglichkeit, verbrauchte Energie wieder aufzubauen und Abstand zu den Anforderungen des Tages zu gewinnen.
Eine von der Universität Zürich zusammengefasste Untersuchung zeigte, dass Beschäftigte mit einer besseren psychologischen Distanzierung weniger negative Folgen hoher Arbeitsbelastung erlebten.
Das bedeutet nicht, dass Erholung schlechte Arbeitsbedingungen ausgleichen muss. Wenn die Belastung dauerhaft zu hoch ist, sollte nicht nur dein Feierabend optimiert werden. Dann müssen auch die Ursachen während der Arbeitszeit betrachtet werden.
Gleichzeitig kannst du durch bewusst gestaltete Übergänge verhindern, dass deine Arbeit jeden freien Bereich deines Tages besetzt.
9 Schritte, mit denen du nach der Arbeit besser abschalten kannst
1. Beende deinen Arbeitstag schriftlich
Nimm dir am Ende des Arbeitstages fünf bis zehn Minuten Zeit und beantworte drei Fragen:
- Was habe ich heute erledigt?
- Welche Punkte sind noch offen?
- Was ist morgen mein erster konkreter Schritt?
Schreibe die Antworten auf. Verlasse dich nicht darauf, dass du dir alles merken wirst.
Eine offene Aufgabe erzeugt häufig weniger Unruhe, wenn sie einen verlässlichen Platz und einen nächsten Schritt hat. Aus „Ich muss mich unbedingt noch um das Projekt kümmern“ wird beispielsweise:
„Morgen um 9:15 Uhr prüfe ich die drei offenen Rückmeldungen und entscheide anschließend über den nächsten Termin.“
Der zweite Satz ist konkreter. Dein Kopf muss die Aufgabe nicht ständig wiederholen, um sie vor dem Vergessen zu schützen.
2. Erstelle einen Gedankenparkplatz
Arbeitsgedanken werden auch nach einem guten Abschlussritual auftauchen. Versuche nicht, sie gewaltsam zu verdrängen.
Halte stattdessen eine Notiz bereit, die du als Gedankenparkplatz verwendest. Sobald dir etwas Berufliches einfällt, schreibst du es in einem kurzen Satz auf.
Danach kannst du dir sagen:
„Der Gedanke ist festgehalten. Ich kümmere mich morgen während meiner Arbeitszeit darum.“
Wichtig ist, dass du aus der Notiz keine neue Arbeitssitzung machst. Du musst die Aufgabe nicht lösen, recherchieren oder eine E-Mail vorbereiten. Es reicht, sie sicher abzulegen.
Weitere Impulse zum Umgang mit kreisenden Gedanken findest du auch in meinem Blog über Stressmanagement und Mental Health.
3. Entwickle ein persönliches Feierabend-Ritual
Ein Ritual signalisiert deinem Kopf, dass ein Abschnitt beendet ist. Dabei muss es sich nicht um eine komplizierte Entspannungsmethode handeln.
Mögliche Feierabend-Rituale sind:
- den Schreibtisch bewusst aufräumen,
- den Laptop vollständig ausschalten,
- Arbeitskleidung gegen bequeme Kleidung tauschen,
- zehn Minuten spazieren gehen,
- auf dem Heimweg Musik oder einen Podcast hören,
- nach dem Homeoffice eine Runde um den Block gehen,
- duschen oder das Gesicht waschen,
- eine Tasse Tee an einem anderen Ort trinken.
Entscheidend ist nicht das Ritual selbst. Wichtig ist die wiederholte Botschaft: Ab hier beginnt meine freie Zeit.
4. Schaffe klare digitale Grenzen
Prüfe ehrlich, wie oft du nach Feierabend mit deiner Arbeit in Kontakt kommst. Manchmal geschieht das aktiv, manchmal durch Benachrichtigungen, Vorschauen oder automatisch geöffnete Anwendungen.
Du könntest beispielsweise:
- berufliche Benachrichtigungen nach Feierabend deaktivieren,
- Arbeits- und Privatkonten voneinander trennen,
- das Diensthandy außer Sichtweite aufbewahren,
- keine beruflichen E-Mails im Schlafzimmer öffnen,
- mit deinem Team festlegen, was tatsächlich dringend ist,
- eine klare Uhrzeit für das Ende deiner Erreichbarkeit vereinbaren.
Untersuchungen zu technologischen Grenzen deuten darauf hin, dass die Begrenzung beruflicher Kommunikation zu Hause die psychologische Distanzierung und den Schlaf unterstützen kann. Eine entsprechende Studie ist in der medizinischen Forschungsdatenbank PubMed dokumentiert.
5. Wähle eine Tätigkeit, die deine Aufmerksamkeit bindet
Auf dem Sofa zu liegen kann erholsam sein. Wenn dein Kopf dabei jedoch weiterarbeitet, brauchst du möglicherweise zunächst eine Aktivität, die einen Teil deiner Aufmerksamkeit beansprucht.
Das kann etwas Körperliches, Kreatives oder Soziales sein:
- kochen,
- Sport treiben,
- zeichnen oder handwerken,
- ein Instrument spielen,
- mit einem Freund spazieren gehen,
- ein Brettspiel spielen,
- im Garten arbeiten,
- eine neue Fähigkeit üben.
Die Aktivität sollte dich beschäftigen, aber nicht erneut unter Leistungsdruck setzen. Du musst kein perfektes Abendprogramm entwickeln. Es reicht, wenn du für eine Weile vollständig bei etwas anderem bist.
6. Hilf deinem Körper, den Arbeitsmodus zu verlassen
Abschalten ist nicht nur eine gedankliche Aufgabe. Nach einem hektischen Arbeitstag kann dein Körper noch immer angespannt sein.
Eine kurze Übung:
- Stelle beide Füße bewusst auf den Boden.
- Lass deine Schultern nach unten sinken.
- Atme ruhig ein.
- Atme etwas länger aus, als du eingeatmet hast.
- Wiederhole das für ein bis zwei Minuten, ohne etwas erzwingen zu wollen.
Du kannst zusätzlich deine Hände ausschütteln, dich strecken oder einen kurzen Spaziergang machen. Der Sinn besteht nicht darin, Stress in zwei Minuten vollständig zu beseitigen. Du gibst deinem Körper lediglich ein erstes Signal, dass keine unmittelbare Aufgabe mehr gelöst werden muss.
7. Erlaube dir unproduktive Zeit
Manche Menschen beenden ihre Erwerbsarbeit und starten direkt mit einem privaten Optimierungsprogramm: Sport, Haushalt, Weiterbildung, soziale Verpflichtungen und die perfekte Abendroutine.
Auch schöne oder sinnvolle Aktivitäten können zu einer neuen To-do-Liste werden.
Frage dich deshalb:
- Was würde mir heute wirklich guttun?
- Brauche ich Bewegung oder Ruhe?
- Möchte ich Gesellschaft oder Zeit für mich?
- Welche Aufgabe darf heute bewusst liegen bleiben?
Erholung muss kein sichtbares Ergebnis produzieren. Du musst dir deinen Feierabend nicht verdienen.
8. Setze bereits während der Arbeit Grenzen
Wenn dein Arbeitstag regelmäßig deutlich mehr Aufgaben enthält, als realistisch zu schaffen sind, lässt sich das Problem nicht ausschließlich am Abend lösen.
Hilfreiche Formulierungen können sein:
- „Ich kann diese Aufgabe übernehmen. Welche meiner aktuellen Prioritäten soll dafür warten?“
- „Heute kann ich das nicht mehr in der notwendigen Qualität erledigen. Ich kann es dir morgen bis 11 Uhr liefern.“
- „Dafür fehlen mir noch Informationen. Sobald ich sie habe, kann ich den Aufwand einschätzen.“
- „Nach 18 Uhr bin ich nicht mehr erreichbar. In einem echten Notfall kannst du mich über diesen Weg kontaktieren.“
- „Ich merke, dass meine aktuelle Auslastung dauerhaft zu hoch ist. Ich möchte mit dir die Prioritäten neu sortieren.“
Grenzen zu setzen bedeutet nicht, unkollegial oder unmotiviert zu sein. Eine klare Grenze macht sichtbar, was unter den vorhandenen Bedingungen realistisch möglich ist.
9. Suche nicht nur nach Entspannung, sondern nach der Ursache
Eine Atemübung kann dir helfen, deine Anspannung zu reduzieren. Sie löst jedoch keinen dauerhaften Konflikt, keine systematische Überlastung und keine unklare Rollenverteilung.
Nimm dir einmal pro Woche zehn Minuten Zeit und reflektiere:
- In welchen Situationen konnte ich besonders schlecht abschalten?
- Welche Gedanken sind immer wieder aufgetaucht?
- Welche Aufgabe, Person oder Erwartung steckt dahinter?
- Was davon kann ich selbst verändern?
- Wobei brauche ich Unterstützung oder ein klärendes Gespräch?
So behandelst du nicht nur das Gefühl am Abend, sondern erkennst nach und nach die Muster, die deinen Stress verursachen.
Eine einfache Feierabend-Routine in 15 Minuten
| Zeit | Schritt | Konkrete Umsetzung |
|---|---|---|
| 3 Minuten | Erfolge festhalten | Notiere drei Dinge, die du heute erledigt oder vorangebracht hast. |
| 4 Minuten | Offene Punkte sichern | Schreibe offene Aufgaben mit dem jeweils nächsten Schritt auf. |
| 2 Minuten | Morgen vorbereiten | Lege fest, womit du den nächsten Arbeitstag beginnst. |
| 1 Minute | Technik beenden | Schließe Programme, deaktiviere Benachrichtigungen und schalte den Laptop aus. |
| 5 Minuten | Übergang schaffen | Gehe kurz nach draußen, bewege dich oder wechsle bewusst den Raum. |
Teste diese Routine nicht nur an einem einzelnen Tag. Wiederhole sie zwei Wochen lang und beobachte, welcher Schritt für dich besonders hilfreich ist.
Was beim Abschalten häufig nicht funktioniert
„Ich erledige nur noch schnell diese eine Sache“
Manchmal dauert die Aufgabe tatsächlich nur fünf Minuten. Häufig öffnet sie jedoch die Tür zu weiteren Nachrichten, Rückfragen und Problemen. Lege deshalb vorher fest, wann dein letzter Arbeitsblock endet.
Arbeitsgedanken gewaltsam verdrängen
Je stärker du versuchst, einen Gedanken nicht zu denken, desto wichtiger kann er sich anfühlen. Nimm ihn kurz wahr, halte ihn fest und richte deine Aufmerksamkeit anschließend auf etwas anderes.
Entspannung als neue Leistung betrachten
Du musst nicht perfekt meditieren, jeden Abend Sport treiben oder eine ideale Morgen- und Abendroutine einhalten. Sobald Erholung zu einem weiteren Projekt wird, kann sie neuen Druck erzeugen.
Nur an den Symptomen arbeiten
Wenn du jeden Abend mit Übungen gegen deine Anspannung kämpfst, während du tagsüber dauerhaft über deine Grenzen gehst, fehlt ein wichtiger Teil der Lösung. Langfristig braucht es sowohl Erholung als auch Veränderungen an den Stressauslösern.
Nach der Arbeit im Homeoffice abschalten
Im Homeoffice fehlt der Arbeitsweg als natürliche Übergangsphase. Du kannst diesen Übergang künstlich wiederherstellen:
- Beende die Arbeit täglich zu einer möglichst festen Uhrzeit.
- Räume Arbeitsmaterialien aus deinem Blickfeld.
- Schließe die Tür zum Arbeitszimmer, wenn du eines hast.
- Nutze unterschiedliche Benutzerprofile für Arbeit und Freizeit.
- Gehe nach Arbeitsende für zehn Minuten vor die Tür.
- Wechsle bewusst Kleidung, Licht oder Musik.
- Vermeide es, später am Abend „nur kurz“ an den Arbeitsplatz zurückzukehren.
Falls du keinen separaten Raum hast, kann bereits eine Box für Laptop und Unterlagen helfen. Das sichtbare Wegräumen schafft eine deutlichere Grenze als ein zugeklappter Laptop auf dem Esstisch.
Wann reichen Feierabend-Tipps nicht mehr aus?
Es gibt Phasen, in denen beruflicher Stress vorübergehend höher ist. Wenn du jedoch über längere Zeit kaum noch Erholung erlebst, ständig erschöpft bist oder deutliche körperliche beziehungsweise psychische Beschwerden bemerkst, solltest du dir professionelle Unterstützung holen.
Das gilt besonders, wenn du beispielsweise:
- über Wochen schlecht schläfst,
- dich dauerhaft niedergeschlagen oder hoffnungslos fühlst,
- starke Angst oder Panik erlebst,
- dich zunehmend von anderen Menschen zurückziehst,
- deinen Alltag kaum noch bewältigen kannst,
- häufig körperliche Beschwerden ohne geklärte Ursache hast.
Eine erste Anlaufstelle kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt sein. Informationen zur Abgrenzung von Stress, Burnout und Depression stellt beispielsweise die Techniker Krankenkasse bereit.
Coaching und Mentoring ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnose und Behandlung. Sie können jedoch präventiv dabei unterstützen, Stressmuster zu erkennen, gesündere Grenzen zu entwickeln und konkrete Veränderungen im Alltag umzusetzen.
Fazit: Abschalten beginnt nicht erst auf dem Sofa
Wenn du nach der Arbeit nicht abschalten kannst, brauchst du nicht zwangsläufig eine noch bessere Entspannungstechnik. Oft beginnt die Veränderung bereits während des Arbeitstages: mit realistischen Prioritäten, klareren Grenzen und einem bewussten Abschluss.
Versuche nicht, alle neun Schritte gleichzeitig umzusetzen. Wähle zunächst einen aus.
Du könntest heute damit beginnen, deine offenen Aufgaben schriftlich zu sichern. Oder du deaktivierst nach Feierabend berufliche Benachrichtigungen. Vielleicht gehst du nach dem letzten Meeting zehn Minuten spazieren, bevor dein privater Abend beginnt.
Kleine, wiederholte Signale können deinem Kopf nach und nach zeigen: Für heute ist genug. Morgen geht es weiter.
Wenn du herausfinden möchtest, warum dein Stress immer wieder entsteht und welche Strategien wirklich zu deinem Alltag passen, findest du weitere Informationen zu meinem persönlichen Stress-Mentoring.
Häufig gestellte Fragen
Warum denke ich nach Feierabend ständig an die Arbeit?
Häufig fehlen ein klarer Abschluss, ein verlässlicher Plan für offene Aufgaben oder eine deutliche Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Auch hohe Verantwortung, Konflikte, Perfektionismus und ständige Erreichbarkeit können dazu führen, dass dein Kopf im Arbeitsmodus bleibt.
Wie bekomme ich den Kopf nach der Arbeit frei?
Beende den Arbeitstag schriftlich, halte offene Aufgaben fest und plane den ersten Schritt für den nächsten Tag. Schaffe danach einen körperlichen Übergang, beispielsweise durch einen Spaziergang, Sport, einen Kleidungswechsel oder ein anderes festes Ritual.
Wie lange dauert es, bis man nach der Arbeit abschalten kann?
Das ist individuell. Manche Menschen benötigen nur wenige Minuten, andere eine längere Übergangsphase. Entscheidend ist nicht, möglichst schnell entspannt zu sein, sondern regelmäßig Bedingungen zu schaffen, unter denen Erholung möglich wird.
Was kann ich tun, wenn ich im Bett an die Arbeit denke?
Notiere den Gedanken kurz, ohne die Aufgabe direkt zu bearbeiten. Lege fest, wann du dich am nächsten Arbeitstag darum kümmerst. Öffne möglichst keine beruflichen E-Mails oder Chats mehr, da dadurch weitere Arbeitsreize entstehen können.
Hilft Sport beim Abschalten nach Feierabend?
Bewegung kann dabei helfen, den Übergang vom Arbeits- in den Freizeitmodus zu gestalten. Entscheidend ist, dass dir die Aktivität guttut und nicht zu einem weiteren Leistungsprojekt wird. Auch ein Spaziergang oder leichtes Dehnen kann ausreichend sein.
Wie kann ich im Homeoffice besser abschalten?
Lege eine feste Endzeit fest, schalte die Arbeitsgeräte vollständig aus und räume sie möglichst aus deinem Blickfeld. Ein kurzer Spaziergang nach Arbeitsende kann den fehlenden Heimweg ersetzen und eine räumliche sowie mentale Grenze schaffen.
Ist es normal, nach der Arbeit noch an den Job zu denken?
Einzelne Arbeitsgedanken sind normal. Problematisch kann es werden, wenn sie dauerhaft deinen Feierabend bestimmen, deine Erholung verhindern oder über längere Zeit mit Schlafproblemen, starker Erschöpfung oder anderen Beschwerden verbunden sind.
Wann sollte ich mir Unterstützung suchen?
Wenn du dich über mehrere Wochen kaum erholst, dein Alltag deutlich beeinträchtigt ist oder psychische beziehungsweise körperliche Beschwerden auftreten, solltest du ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat einholen. Präventives Stress-Mentoring kann früher ansetzen, ersetzt aber keine medizinische Behandlung.